Vom Soul zur Höllentour am Nova Rock

Behemhoth bei ihrem Auftritt am Sonntag. / Bild: APA/HERBERT P. OCZERET 

Das Nova Rock Festival in Nickelsdorf zeigte sich heuer abwechslungsreich. Behemoth überzeugte nicht nur mit Kunstblut und Teufelsmasken auf der Bühne.

Von Soul und Blues beeinflusste Rockmusik einerseits, eine stilgerecht inszenierte Höllentour andererseits: Mit US-Gitarrist Gary Clark Jr. sowie der polnischen Black-Metal-Band Behemoth kam das Finale des diesjährigen Nova Rock am Sonntag so richtig in Fahrt. Dem Publikum in Nickelsdorf wird auch zum Abschluss kaum eine Verschnaufpause gegönnt, bevor sich vier Tage Konzertreigen zu Ende neigen.

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Schon die vergangenen Tage haben gezeigt, dass stilistische Abwechslung von den tausenden Besuchern durchaus angenommen wird. Doch selbst wer die härtere Seite bevorzugte, war beim Auftritt von Behemoth wohl gefordert: Seit über zwei Jahrzehnten steht das Projekt um Adam „Nergal“ Darski für anspruchsvolle Musik der wirklich düsteren Gattung. Auch der jüngste Output „The Satanist“ (2014) stellte das unter Beweis. Dabei geht es keineswegs nur um eine teuflische Ausgeburt, wie eine oberflächliche Betrachtung der Texte vielleicht nahelegen könnte.

Denn trotz entsprechender Aufmachung inklusive Corpsepaint, reichlich Kunstblut und Teufelsmasken sind Nergal und Co sehr reflektierte Zeitgenossen. „Ich will einfach ehrlich sein in dem, was ich mache“, unterstrich der Musiker vor dem Auftritt gegenüber der APA. „Das ist eine komfortable Position, die ich mir über die Jahre hart erarbeitet habe. Wenn ich mich in etwas nicht wiederfinde, dann ist es nichts für mich. Diese Freiheit genieße ich sehr.“ Kompromisse gehören da nicht zur Tagesordnung. „Es ist immer gut, herauszustechen“, so Nergal. „Ich verwirre die Leute gerne. Bei so einem Line-up wie hier ist die Herausforderung größer für uns. Viele werden uns nicht kennen, also müssen wir ein Statement abliefern.“

„Irgendwann wird es eskalieren“

Das gelang eindrucksvoll: Mit einem Querschnitt aus der vorwiegend jüngeren Bandgeschichte gab es gut eine Stunde lang Black und Death Metal in seiner extremsten, aber auch gehaltvollsten Form. Da mutet es beinahe eigenartig an, dass sich Nergal mit seinem neuen Soloprojekt auf ganz andere musikalische Pfade begibt. „Die ersten Reaktionen waren sehr positiv, was mich überrascht hat“, schmunzelte er. Zwei kurze Snippets gibt es bis dato, die eine eher dem Folkrock zugetane Ausrichtung versprechen. „Für die Fans ist es wahrscheinlich okay, solange ich keinen Reggae mache. Aber es bleibt ja trotzdem düster, es ist Rock ’n‘ Roll-basiert. Nur ist die Sprache einfacher, direkter.“

Kein Blatt vor den Mund nimmt sich Nergal auch in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten. Angesprochen auf den Aufschwung rechter Parteien in Europa sowie die Flüchtlingssituation meinte er: „Es gibt eine zunehmend stärkere Polarisierung. Einerseits haben wir Leute, die helfen wollen. Und dann gibt es jene auf der anderen Seite der Barrikade. Beides ist radikaler geworden, hier treffen Ideologien aufeinander. Ich bin so liberal wie nur möglich, man kann sich also vorstellen, wo ich stehe. Aber es ist schon beängstigend, weil es auf politischer Ebene nicht gerade optimistisch aussieht“, gab Nergal zu bedenken. „Eigentlich sind wir ja schon im Krieg. Irgendwann wird es eskalieren, das ist klar.“ Andererseits sei er, etwa was seine Heimat Polen betrifft, doch zuversichtlich. „Alles geht vorbei, sie werden verschwinden“, sprach er rechte Politiker an. „Ihre Tage sind gezählt.“

Besucherrekord mit 180.000 Fans

Entspannte Klänge tönten unterdessen von der Blue Stage, wo Gitarrenmeister Gary Clark Jr. mit seiner Band dem Bluesrock frönte. Unter brennender Sonne wirkte der Amerikaner beim Bearbeiten seines Instruments lässig, entlockte diesem aber fantastische Sounds, ohne zu einem „Schaulaufen“ anzusetzen. Der Höhepunkt war eine zunehmend explosive Fassung von „When My Train Pulls In“. Nach seinem Auftritt traf er die Kollegen von den Red Hot Chili Peppers.

Jesper Munk, der am späteren Nachmittag auf der Red Bull Stage sein Können zeigen sollte, beobachtete die Darbietung des Gitarrenhexers aus Texas und resümierte für die APA: „Das war Wahnsinn. Wenn man so gut ist wie Gary Clark Jr., kann man auch Wiederholungen zelebrieren, sich Zeit nehmen. Der hat vor nichts Angst. Er braucht keine Performance, seine Musik sagt alles. Das ist kein programmiertes Entertainment, sondern echte Musik. Erfrischend! Wie ‚laid back‘ kann man spielen?“ Prinzipiell findet der deutsche Blues-, Soul- und Rock-Musiker stilistische Vielfalt bei einem Festival wichtig: „Unterschiede ziehen mich an. Alles gleich ist doch nichts.“

Das Nova Rock, das mit mehr als 180.000 Besuchern an vier Tagen einen neuen Publikumsrekord aufstellte, ging in den Endspurt. Am Abend sollten Heaven Shall Burn, Deftones und Twisted Sister das Finale einläuten. Mit den Red Hot Chili Peppers stand der namhafteste Act ganz zum Schluss auf dem Programm.

(APA)

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