ORF-„Wahlfahrt“: Griss tut sich schwer mit Chauffeur Settele

Irmgard Griss und ihr Chauffeur Hanno Settele. / Bild: (c) APA (ORF) 

Irmgard Griss fühlte sich sichtlich unwohl. „Ich tu mir schwer mit Ihnen“, gestand sie Settele. Baumeister Lugner zeigte sich von seiner ernsten Seite.

Am Donnerstagabend strahlte der ORF die erste von drei „Wahlfahrten“ anlässlich der bevorstehenden Bundespräsidentenwahl aus. Am Steuer saß wieder – wie bei den Nationalratswahlen 2013, als Kandidat Frank Stronach seinen umstrittenen Todesstrafen-Sager tätigte – ORF-Redakteur Hanno Settele.

In Folge eins kutschierte Settele die beiden unabhängigen Kandidaten Irmgard Griss und Richard Lugner von Wahlkampfveranstaltung zu Wahlkampfveranstaltung – an unterschiedlichen Tagen, die Szenen wurden allerdings wie gewohnt zusammengeschnitten. In der Vergangenheit hatte sich das Format als ideal erwiesen, um die Kandidaten abseits politischer Standardfloskeln zu porträtieren. Diesmal sollen die Wahlfahrten also dabei helfen, die Kandidaten nicht nur von ihrer staatstragenden Seite zu zeigen.

Die ernste Seite des Richard Lugner

Baumeister Richard Lugner zeigte sich dabei zwar gewohnt redselig. „Es ist ja nichts Schlechtes, man kann ja nicht immer nur todernst sein, man muss ja a bissl des Leben von der heiteren Seite nehmen.“ Er wollte aber nicht darauf reduziert werden, ein Kasperl zu sein. „Ich bin ein erfolgreicher Unternehmer und nebenbei lustig, wenn ich eine Privatperson bin“, stellte er klar.

Lugner erzählte, dass er sowohl eine Moschee als auch eine Synagoge gebaut habe. Er nutzte den Moment, um aus der Verfassung zu zitieren. Zudem betonte er, dass für ihn alle Menschen gleich seien. Als er über den nie aus dem Zweiten Weltkrieg heimgekehrten Vater erzählte, waren das durchaus bewegende Momente. Auch dass er seine Essgewohnheiten aus den Jahren der Entbehrung nach dem Krieg bis heute beibehalten hat, zeigte ihn von einer nachdenklichen Seite. Er müsse immer alles aufessen, er könne Dinge nicht wegschmeißen. Er esse auch tagelange abgelaufenes Joghurt. Das habe ihm nie geschadet.

Griss: „Ich tu mir schwer mit Ihnen“

Weniger humorvoll präsentierte sich Irmgard Griss, die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs. Griss, die nicht fernsieht, sondern lieber liest, fühlte sich mit dem TV-Format nicht wirklich wohl. Als Settele den beiden Kandidaten Landeshymnen vorspielte, erkannte Griss zwar im Gegensatz zu Lugner die französische Hymne. Dennoch war ihr dieses Ratespiel sichtbar unangenehm.

Als der ORF-Chauffeur dann scherzend meinte, sie müsse sich mit ihrer Crew bei Staatsbesuchen also künftig wohl in der Hymnenfrage noch beraten, erntete er langanhaltendes Schweigen. Griss verdrehte die Augen und saß mit versteinerter Miene am Beifahrersitz. „Ich habe das Gefühl, dass wir Sie mit allem, was nicht hundertprozentig ernst ist, plagen“, brach Settele schließlich das Schweigen. Daraufhin gab Griss zu, dass sie sich lieber seriös über Themen unterhalte. „Ich tu mir schwer mit Ihnen, das gebe ich zu. Ihr Zugang jetzt in bestimmten Fragen, es ist für mich nicht ganz leicht, das zu entschlüsseln“. Griss betonte aber: „Ich habe mir in meinem bisherigen Leben nicht den Ruf erworben, humorlos zu sein“.

Als sich Richard Lugner am Ende der Autofahrt mit den Worten „Es war recht lustig“ verabschiedete, fasste er damit auch die TV-Sendung perfekt zusammen. Während er seinen Spaß hatte, hatte den seine Konkurrentin um das höchste Amt im Staat definitiv nicht.

Am 5. April geht es mit Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer weiter, am 7. April mit Rudolf Hundstorfer und Andreas Khol. Beide Sendungen werden um 20:15 Uhr auf ORF1 ausgestrahlt.

(phu)

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