„Ich bin der Quotenrapper“

Er hat nicht einmal, sondern gleich zwei Mal abgesagt, sagt Samy Deluxe. Erst beim dritten Mal hat sich der Hamburger von Moderator Xavier Naidoo überzeugen lassen: „Ich bin der Quotenrapper“, sagt er im KURIER-Gespräch – Deluxe ist der erste Rapper, der bei Naidoos Sendung „Sing meinen Song“ seine Lieder zum Tausch anbietet.

Ganz unironisch meint er die Sache mit der Quote nicht. Denn seine Skepsis hatte viel mit dem nicht gerade glänzenden Ruf der deutschen Musikshow-Landschaft zu tun, denen gerne nachgesagt wird, mehr auf Quote denn auf Qualität zu schielen: Auch die VOX-Sendung, die mit ihm am Dienstag in die dritte Staffel geht, ist ein Quotenbringer – mehr als zwei Millionen Zuseher saßen im vergangenen Jahr pro Folge vor den TV-Bildschirmen, wenn sich Musiker an der Neuinterpretation der Arbeit ihrer Kollegen versuchten.

Die Speerspitze des Ungewöhnlichen war dabei im letzten Jahr wohl der Österreicher Andreas Gabalier. Ob Deluxe sich mit ihm ein Duett vorstellen könnte? „Nicht unbedingt“, sagt Deluxe; ganz im Gegensatz zu den diesjährigen Teilnehmern. Dass neben Naidoo Pop-Ikone Nena, die Country-Rocker The Bosshoss, Wolfgang Niedecken von BAP sowie Popsängerin Annett Louisan und der Schweizer Soulsänger Seven dabei sind, sei nämlich der Grund für seine Teilnahme gewesen, sagt der Rapper. Im Unterschied zu anderen Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Popstars“, die Deluxe schlicht „niveaulos“ nennt, habe man bei „Sing meinen Song“ neben seiner Tätigkeit als Quotenbringer nämlich auch die Möglichkeit, kreativ zu sein – und sogar etwas von anderen zu lernen. „Ich habe komplette künstlerische Freiheit“, sagt er.

Rap versus Mundart

Dass er mit seinen Liedern das eingeübte Procedere verkompliziert, findet der Hamburger mit dem Beinamen „King of Doubletime“ mehr als spannend. Schließlich müssen die anderen Teilnehmer seine überaus schnellen Reimen neu interpretieren; er wiederum muss sich an Lieder wagen, die in Kölscher Mundart gesungen werden – wie die von Wolfgang Niedecken. Problematisch ist das für Deluxe nicht. „Gerade wegen des Songs, den ich covere, hab ich angefangen, ihn zu bewundern. Ich mag es, wenn Deutsch so speziell eingesetzt wird.“

Bei anderen fiel ihm die Annäherung nicht so leicht. „Bei The BossHoss konnte ich mit den Texten nicht viel anfangen“, sagt der Rapper; deren Nummern habe er deshalb komplett umgekrempelt. „Ich habe einen ganz neuen Text geschrieben, der in Realtime kommentiert, was passiert, während ich einen BossHoss-Song covere.“ Wie die dann wiederum seine Reime rappen oder umbauen könnten, will Deluxe nicht vorab bewerten. „Ich bin kein Freund von Erwartungshaltungen, ich bin sehr pragmatisch“, sagt er. Sein Anspruch sei nur an sich selbst hoch; das gelte für die Show genauso wie für sein neues Album „Berühmte letzte Worte“ – das erscheint nämlich nach seiner eher mau besprochenen letzten Platte zeitgleich mit dem Staffelstart. So viel zur Sache mit der Quote.

„Sing meinen Song“ ist ab 12. April immer Dienstags um 20:15 Uhr auf VOX zu sehen.

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