Fidel Castros Orangen sind ein gutes Thema

Fidel Castro und Yordanka Hristova, das hätte ein schönes Buch werden können.

Die Geschichte kommt leider nur kurz vor in „Wiedersehen in Paris“. Bloß als Beispiel, wie es in Bulgarien zuging gegen Ende der kommunistischen Ära.

Der Debütroman der in Sofia geborenen und in Paris lebenden Albena Dimitrova will halt kühler sein, kalt fast. Die Autorin ist (auch) Wirtschaftswissenschaftlerin, sie forschte über die Risiken von Privatisierung und über Korruption im Ostblock.

Der dritte Weg

Dementsprechend zielt die von ihr erzählte Geschichte eines Parteifunktionärs, der zeitweise in Russland für Breschnew rauchen musste, als dieser zu krank war, selbst zu rauchen (er war „Einraucher“!) auf etwas anderes ab: auf einen „dritten Weg“ zwischen Kommunismus und Kapitalismus.

Über die vertane Chance wird Albena Dimitrova in Wien bestimmt reden wollen – am Freitag, 15. April in der Hauptbücherei am Gürtel (Beginn 19 Uhr).

Vielleicht verrät sie auch mehr über Fidel Castro und die bulgarische Popsängerin. Sehr verliebt war er – und Yordanka Hristova, 64 ist sie mittlerweile, schwärmt noch heute von seinen schönen braunen Augen. Gewissermaßen als Dank fürs Land gab es damals plötzlich in Bulgarien kubanische Orangen und Bananen in Hülle und Fülle. Aber es gab kaum Treibstoff.

Castro wartete in Havanna auf Frau Hristova, um mit ihr zu dinieren, aber ein Flughafenchefin Sofia verweigerte die Tankfüllung für das extra gecharterte Flugzeug. Bis Castro höchstpersönlich anrief und die Treibstoffreserven aller Flugzeuge des Warschauer Pakts beschlagnahmt wurden …

Albena Dimitrova:  „Wiedersehen in Paris“

Wagenbach Verlag

Übersetzt von Nicola Denis

20,50 Euro

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