Der perfekte Grundriss

Welche Parameter sollte man bei der Planung berücksichtigen?

Zu allererst die Lage und die Ausrichtung. Wo befinden sich die schönsten Sichtachsen und Ausblicke? Von wo aus ist der Wohnraum einsehbar? Und an welcher Seite des Hauses führen öffentliche Wege, Straßen vorbei? Das Panorama schneebedeckter Berge kann man mit einer Glasfläche ins Haus holen. Integriert man diese am Ende einer Treppe, die ins Obergeschoß führt, dann wird der Blick automatisch darauf gelenkt. Auch sollte man das Grundstück aus einer anderen Perspektive betrachten, dadurch können sich neue Sichtachsen ergeben. Das Naheliegende ist nicht immer auch die beste Lösung.

Die Sonnenausrichtung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Ja, genau. Im ersten Schritt sollte man feststellen, ob man ein Morgen- oder ein Abendmensch ist. Bin ich zum Beispiel jemand, der sehr früh aufsteht und gerne ausgiebig in der Sonne frühstückt, dann sollte der Essbereich gen Osten bzw. Südosten ausgerichtet sein. Bedenken sollte man nur, dass im Sommer die Morgensonne aus Nordost, im Frühling und Herbst aus Osten und im Winter aus Südosten scheint. Das gleiche, nur umgekehrt, gilt für die Abendsonne. Grundsätzlich empfehle ich eine Südorientierung, da im Winter direkte Sonne wichtig ist.

Wie sollte man mit Raum- sowie Verkehrsflächen umgehen?

…Foto: /Mag. Kristina Brandstetter Architektin Lisi Wieser Die oberste Prämisse lautet: Dunkle, enge Gänge sollten vermieden werden. Falls das nicht gelingt, dann sollte man in schmalen Fluren unbedingt einen Ausblick integrieren, dadurch wird der Bereich optisch vergrößert. Vorräume und Garderoben sollten nicht zu klein gehalten werden – besonders Familien sollten hier großzügiger planen. Verkehrsflächen bzw. Verbindungsräume können auch als Schallpuffer zwischen eher lauten (Wohnzimmer, Küche, etc.) und ruhigeren Räumen wie Schlafzimmer genutzt werden.

Das beste Licht ist immer den Wohnräumen zuzuordnen. Gangflächen sollten auf ein Minimum reduziert werden, doch man kann diese Zonen auch als Schrankraum nutzen. Ein Quadratmeter neu gebaute Fläche kosten grob geschätzt Euro 2000,– Euro exkl. Ust., wenn man sich zehn Quadratmeter erspart, sind das umgerechnet Euro 20.000,–.

Wie eruiert man die richtige Größe?

Indem man sich auf die eigenen Erfahrungswerte verlässt. Oft hilft es auch, Zimmer bei Freunden, Familie, Nachbarn oder auch ein Hotelzimmer unter die Lupe zu nehmen und nach der Größe zu fragen. Man bekommt ziemlich schnell ein Gefühl dafür, mit welcher Dimension man sich wohlfühlt. Hat man drei bis vier Bäder in unterschiedlicher Größe gesehen, weiß man ziemlich genau, wie groß man sein eigenes haben möchte.

…Foto: /Mag. Kristina Brandstetter Wie können bestehende Grundrisse sinnvoll genutzt und umstrukturiert werden?

Generell gilt natürlich immer das Motto: Tragende Wände werden stehen gelassen, obwohl man vor dem Abriss solcher nicht zurückschrecken sollte. Die Kosten dafür sind meist genauso hoch wie für eine hochwertige Badewanne. Man könnte also mehr Möglichkeiten ausschöpfen, man darf sich nur nicht von Wänden einschüchtern lassen. Zuerst sollte festgelegt werden, wie man leben möchte und erst dann wird die Struktur des Hauses intelligent danach ausgerichtet.

Grundrisse sind oft ein Problem. Warum ist dieser Bereich besonders fehleranfällig?

Weil man sich meist nicht die Zeit nimmt, um sich selbst zu fragen, wie man denn eigentlich gerne leben möchte. Was ist mir wichtig? Egal ob man ein Haus neu- oder umbaut, es ist eine ideale Gelegenheit seine Umgebung nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten und das passiert nicht sehr oft im Leben. Diese Chance sollte man nutzen und sich die Zeit dafür nehmen. Das kostet nicht viel, bringt aber das Wichtigste mit sich: Lebensqualität.

Möchte man bei einem Neubau vorsorgen und von Anfang an auch altersgerecht planen, wie geht man dabei am besten vor?

…Foto: /Mag. Kristina Brandstetter Der Verzicht auf unterschiedliche Höhensprünge steht an erster Stelle. Wer also von einem Haus mit Splitlevel geträumt hat, wird sich davon verabschieden müssen. Abgesehen davon sollte man bei einem Neubau generell überlegen, ob man nicht gleich auf einen Bungalow setzt. Selbst im hohen Alter können hier sämtliche Räume genutzt werden. Falls diese Bauweise nicht möglich ist, sollte man Treppen breiter auslegen, damit später ein Treppenlift eingebaut werden kann. Doch mittlerweile gibt es sehr wendige und kleine Treppenlifte, die selbst bei sehr schmalen Stiegenaufgängen eingesetzt werden können. Der größte und zugleich häufigste Problempunkt bei einem altersgerechten Umbau in bestehenden Häusern ist das Bad. Hier müssen meist gröbere Arbeiten durchgeführt werden wie etwa der Tausch einer Badewanne gegen eine ebenerdige rutschsichere Dusche. www.architekturfueralle.at

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