B&C-Gruppe: Die liebe Familie

Ein Ex-Banker, ein Anwalt und ein Steuerberater beherrschen mit der B&C Privatstiftung eine der größten Industrie-Holdings in Österreich. Uneingeschränkt. Sie bestimmen per Mehrheitsbeteiligungen über den Faser-Konzern Lenzing, den Gummi-Konzern Semperit und die Aluminium-Schmiede der Amag in Ranshofen. Sie haben es geschafft, die Unternehmen vor Verkauf und Filetierung zu bewahren und diese Flaggschiffe der österreichischen Industrie mit insgesamt knapp 14.500 Arbeitsplätzen und zwei Milliarden Euro Börsenwert im Lande zu halten. Dieses Verdienst können die Stiftungsvorstände Erich Hampel, 65-jähriger Ex-Chef der Bank Austria und heute deren Aufsichtsrats-Präsident, der Anwalt Wolfgang Hofer (64) und der Steuerberater Georg Bauthen (66) zweifellos auf ihre Fahnen heften. Wo viel Licht ist, ist aber auch Schatten. Das eingeschworene Trio agiert nicht gerade sensibel und transparent, wenn’s um persönliche Geschäftsinteressen geht. „In-sich-Geschäfte“ nennt man solche Deals.

Die in der Wiener Innenstadt domizilierte Anwaltskanzlei Grohs Hofer ist mit 13 Juristen auf Gesellschafts- und Liegenschaftsrecht spezialisiert. Die Kanzlei gehört Hofer und seinem Partner Andreas Grohs und kann sich seit Jahren über respektable Aufträge freuen. Hofer ist nicht nur Stiftungsvorstand, sondern auch Aufsichtsrats-Chef der B&C Industrieholding – zwischen der Stiftung und den Unternehmen angesiedelt. Vize-Aufsichtsratschef der Holding ist Stiftungskollege Bauthen.

Holding

Über die Holding läuft das Business. Die 15 Mitarbeiter große Holding weist für 2014 Beratungsleistungen an „nahestehende Unternehmen und Personen“ von 5,942 Millionen Euro aus. Im Jahr zuvor scheinen 5,619 Millionen auf. Das ist wesentlich mehr, als die für ihre Beratungshonorare heftig kritisierte ehemalige Staatsholding ÖIAG für ein deutlich größeres Beteiligungs-Portfolio aufwendete. Die Veröffentlichung von Honoraren einzelner Dienstleister sei „nicht vorgesehen“, mauert ein Sprecher der Holding. Die Beträge würden sich auf mehrere Kanzleien und Berater verteilen. KURIER-Recherchen ergaben jedoch , dass der Großteil dieser Honorare auf das Konto von Grohs Hofer geht.

Auch in den Unternehmen ist die Sozietät aktiv. Bei Semperit belief sich das Honorar im Vorjahr auf 264.000 Euro, hauptsächlich für einen Streitfall in Thailand. Die Honorare für Lenzing (35.000 Euro) und die Amag (24.000 Euro) fallen da schon unter Peanuts.

„Selbstverständlich“ seien alle Beratungsaufträge mit den Compliance-Regeln vereinbar. Die Honorare seien marktüblich und wurden von den jeweiligen Aufsichtsräten geprüft und genehmigt, lassen die Herren ausrichten. Die Beratung durch Grohs Hofer Rechtsanwälte sei für die B&C-Gruppe sogar „essenziell und notwendig“. Die Kanzlei begleite B&C seit der Gründung, das spezifische Wissen und die wirtschaftsrechtliche Fachexpertise hätten „wesentlich zum Erfolg der B&C-Gruppe beigetragen“.

Man kann es auch ganz anders sehen. Insider sprechen von einem ungenierten Selbstbedienungsladen. Auch wenn formal alles abgesegnet ist und die Honorare nicht überhöht sind, ist die Optik katastrophal. Weil es sich ausgerechnet um die Kanzlei des Stiftungsvorstandes und Aufsichtsratsvorsitzenden handelt. In ganz Österreich findet sich keine andere Kanzlei mit entsprechender Qualifikation?

Die Verantwortlichen denken nicht daran, diese Praxis abzustellen. Im Gegenteil. Die B&C-Gruppe wolle die Expertise von Grohs Hofer „auch zukünftig in Anspruch nehmen“, sagt der Sprecher. Hofer tritt in der B&C-Gruppe schließlich als starker Mann auf. Ex-Banker Hampel hält sich als Vorsitzender der Stiftung wie immer geschickt im Hintergrund.

Bristol-Verkauf

Einen strengen Geruch hatte der Verkauf des Hotels „Bristol“ an die Sacher-Familie Gürtler. Der Deal wurde von Hofer-Partner Grohs gleich selbst durchgezogen. Pikant dabei: Grohs ist Vorstand in den beiden Stiftungen der Gürtlers und Aufsichtsrat in der Sacher GmbH. Andere Interessenten beklagten heftig, sie hätten nicht einmal ernst zu nehmende Gesprächstermine bekommen. Anstatt Nachwuchsmanager aufzubauen, haben sich Hampel, Hofer & Bauthen einbetoniert. Der 70er naht in Riesenschritten und dann wäre es aus mit der Stiftungsherrlichkeit. Doch 2014 änderten die Drei die Stiftungsurkunde, eine befristete Wiederbestellung ist nun auch nach dem 70. Lebensjahr zulässig.

Sinnvoll, wird argumentiert, „da immer mehr Menschen auch in diesem Alter bei bester Gesundheit und mit voller beruflicher Leistungsfähigkeit ausgestattet sind“. Bei allem Respekt vor der Fitness der älteren Herren – man kann dies auch als Einzementieren von Machtpositionen sehen. Einen Aufsichtsrat, der das Trio einbremsen oder kontrollieren könnte, gibt es nicht. Begründung: Wurde bei der Gründung der Stiftung nicht eingerichtet und ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Dazu muss man aber wissen, dass die Stiftung anfangs nicht unabhängig von der Bank Austria war. Daher wurde ein Aufsichtsrat nicht für notwendig erachtet. Die Dividenden der Unternehmen mussten an die Bank abgeliefert werden. 2008 kaufte die Stiftung der Bank die Genussrechte zum Preis von rund einer Milliarde Euro ab. Und kaufte sich de facto selbst, denn die Summe war der Kaufpreis für die Beteiligungen.

Damit hatte man sich endgültig von der Bank Austria abgenabelt. Eh gut, denn inzwischen hätte die UniCredit sicher die Unternehmensbeteiligungen zu Kasse gemacht. Andererseits, meinen Experten, sei der Kaufpreis „deutlich zu nieder gewesen, sicher um 50 Prozent“.

„Heuschrecken“-Vergangenheit

Seit 2014 ist Hanno Bästlein als industrielles Mastermind an Bord. Der Manager mit illustrer Heuschrecken-Vergangenheit (One Equity, Constantia Packaging, Amag, VA Tech, Oerlikon) zog in den Aufsichtsrat der Holding ein. Wurde als Aufsichtsratsvorsitzender bei Lenzing und Vize bei der Amag inthronisiert. Ihm wird nachgesagt, gemeinsam mit Hofer den erfolgreichen und selbstständigen Lenzing-Boss Peter Untersperger abmontiert zu haben. G’standenen heimischen Industriellen fällt jedenfalls wenig Freundliches zu Bästlein ein.

Wofür über der Industrieholding noch eine Österreich-Holding mit Bästlein als Geschäftsführer eingezogen wurde, erschließt sich nicht. Die Begründung, dort kämen die geplanten Start-up-Aktivitäten der B&C hinein, ist wenig nachvollziehbar. Dürfte eher so sein, dass sich Bästlein mit den (zugegeben bescheidenen) Aufsichtsrats-Gagen nicht zufrieden gibt und dafür in der Österreich-Holding entlohnt wird. Die B&C verkaufte Bästlein noch ihren Anteil am hochprofitablen Handelshaus Intertrading.

Die Familie ist auch außerhalb der B&C eng zusammengeschweißt. Stiftungsvorstand Bauthen und Anwalt Grohs sitzen gegenseitig in ihren Privatstiftungen. Hofer, Bauthen und Grohs sind im Einkaufszentrum Ekazent Hietzing investiert. Die Drei sind auch, so ein süßer Zufall, Eigentümer der Kurkonditorei Oberlaa. Diese gehörte einst der Bank Austria und später der Vamed, an der die B&C zehn Prozent hält. Hampel wiederum hat gemeinsam mit Nicola Klimscha-Grohs den Vorsitz in der Chassyst Privatstiftung. Womit sich der Kreis schließt.

B&C Privatstiftung

14.500 Jobs, zwei Milliarden Börsenwert

Die Bank Austria CA brauchte Kapital für die Expansion in Osteuropa und lagerte ihre Beteiligungen, die mit Eigenkapital unterlegt werden mussten, 2000 aus der Bilanz in die Stiftung aus. Außerdem wollte die Bank die Unternehmen vor Zugriffen künftiger Eigentümer (HVB, UniCredit) schützen. Heute hält die von der Bank Austria inzwischen abgenabelte Stiftung 67,6 an Lenzing, 54,2 an Semperit, 52,7 an der Amag und 10 an der Vamed. Nicht-Industriebeteiligungen wie Porr und Hotels wurden verkauft.

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